Die Energiepreislüge

Strom aus erneuerbaren Energien ist günstiger, als der Vergleich mit Atom und Kohle nahelegt. Die Energiediskussion braucht endlich faire Zahlen, fordert Kathrin Werner in ihrem FTD-Kommentar. Frau Werner erläutert, warum es zu wenig Widerstand gegen die von Bundeskanzlerin Merkel von oben verordnete “Revolution der Energieversorgung” gebe.

Ein Teil der Politiker und die Lobbyisten, die hinter ihnen stehen, belügen das Volk systematisch über die Kosten der verschiedenen Energieträger. Der Bluff klingt zunächst einleuchtend: Der Umbau zu einer klimafreundlichen Energieversorgung kostet Milliarden, deshalb steigt der Strompreis, deshalb droht unsere energieintensive Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Dieses Argument hat seit der Wirtschaftskrise an Schlagkraft gewonnen. Die Bevölkerung ist sensibilisiert dafür, wie anfällig unsere Wirtschaft ist. Doch das Argument, so logisch es klingt, basiert auf grundlegend falschen Annahmen: Es geht zum einen davon aus, dass sich die Preise für Atom-, Kohle- und Erneuerbarenstrom nicht ändern. Das ist schlichtweg Quatsch: Während die Kosten für Atom, Kohle und die anderen fossilen Energieträger steigen, wird Strom aus Wind und Sonne von Jahr zu Jahr günstiger. Solarmodule kosten nur noch rund halb so viel wie vor drei Jahren. Windräder produzieren aus der gleichen Menge Wind wie vor fünf Jahren rund 80 Prozent mehr Strom und sind dabei sogar billiger geworden. Kohlestrom dagegen, der in Deutschland 43 Prozent des Verbrauchs ausmacht, wird immer teurer, vor allem, wenn ab 2013 wie geplant Zertifikate für CO2-Emissionen gekauft werden müssen.

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