Die Stromlüge – Matthias Kurth warnt vor dem Scheitern der Energiewende

Mit ungewöhnlich scharfen Tönen kritisiert der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth die aktuelle Preispolitik der Stromkonzerne. Die Bundesnetzagentur hält die massive Welle von Preiserhöhungen beim Strom in Deutschland für ungerechtfertigt, berichtet die heutige Süddeutsche Zeitung. Der Behördenchef rief Verbraucher zum Anbieterwechsel auf, um den Wettbewerb auf dem Energiemarkt endlich zu forcieren. Insgesamt 400 der 1000 deutschen Energieversorger haben zum Jahreswechsel Preiserhöhungen angekündigt. In einem Brief an den Beirat seiner Behörde wurde Kurth noch deutlicher: Die Erhöhungen seien “sachlich nicht gerechtfertigt”, so der Präsident. Zweifel meldete Kurth auch an der Begründung der Stromkonzerne an: dem steigenden Anteil an Ökostrom. Der Umstand, dass immer mehr Energie aus erneuerbaren Energien erzeugt werde, wirke dämpfend auf die Großhandelspreise, “da sie sukzessive teure Kraftwerke aus dem Markt verdrängen”. Mit staatlichen Eingriffen seien die Erhöhungen nicht zu rechtfertigen. Es gebe sogar einen Spielraum für Preissenkungen.

Markus Balser wird in seinem SZ-Kommentar noch deutlicher und spricht von einer Stromlüge.  Die Energieversorger seien keinesfalls durch die gestiegene EEG-Umlage zu einer Preiserhöhung gezwungen.

…Doch eine ehrliche Rechnung sieht anders aus. Denn bei genauem Hinsehen wird klar: Konzerne missbrauchen die Gunst der Stunde und setzen überzogene Preiserhöhungen durch. Verantwortlich für viele ausufernde Stromrechnungen sind nicht etwa Solaranlagen oder Windräder, sondern das Kalkül in Chefetagen, die Gewinne zu maximieren. Denn anders als viele Versorger glauben machen wollen, sind sie zu Tariferhöhungen keineswegs gezwungen. So sind laut Daten des Statistischen Bundesamts die Einkaufspreise für Strom in den vergangenen zwei Jahren um 20 Prozent gesunken.  Ein Preisrutsch für die Energieversorger, der bei den Verbrauchern nie ankam. Im Gegenteil: Die Verbraucherpreise stiegen um acht Prozent. Zu den gesunkenen Großhandelspreisen trägt auch bei, dass Ökostrom preisdämpfende Effekte hat: Weil Wind- und Solaranlagen teure Kraftwerke aus dem Markt drängen, sinkt der Börsenpreis für Strom. Selbst unabhängige Aufseher, wie die Bundesnetzagentur, halten steigende Preise für nicht gerechtfertigt. Der Ausbau des Ökostroms kann wegen des kostspieligen Umbaus der Energiewirtschaft langfristig zu höheren Preisen führen. Für die gegenwärtige Preisrunde aber den Schuldigen bei erneuerbaren Energien zu suchen, ist unredlich. Deutschlands Energiekonzerne spielen mit ihrer Glaubwürdigkeit, wenn sie die Verantwortung für höhere Preise nicht selbst übernehmen…

7 Kommentare zu "Die Stromlüge – Matthias Kurth warnt vor dem Scheitern der Energiewende":

  1. 786
    Klaus · 16. Januar 2011 - 11:11 Uhr · Permalink

    Es sind doch nicht nur die großen vier sondern auch die Mehrzahl der Stadtwerke , die ihre Preiserhöhungen mit der EEG-Umlage begründen. Nicht alle dieser Preiserhöhungen sind aber mit der EEG-Umlage begründbar , ein besonders drastisches Beispiel sind hier die Stadtwerke Leipzig. Letztlich sind die deutschen Verbraucher mit ihrer Trägheit aber auch selbst Schuld. Nur ein geringer Teil wechselt nach überzogenen Preiserhöhungen zu günstigeren Anbietern

  2. 789
    Hans G · 16. Januar 2011 - 12:36 Uhr · Permalink

    Eine von den Grünen beauftrage Studie bezifferte diese gesunkenen Beschaffungskosten auf 2 Milliarden Euro , die EEG-Umlage mit der nicht privilegierten Letztverbrauchern nach dem EEG belastet werden beläuft sich im kommenden Jahr aber auf 13 Milliarden Euro

    • Biermann · 31. Januar 2011 - 22:45 Uhr · Permalink

      Da scheint die Studie der Grünen vermutlich einges nicht berücksichtigt zu haben. Ich kenne viele Studien (nachlesbar bei Monitor 2010-10) , die nachweisen, dass die Ersparnisse des gesamten Strompreises durch den Einsatz der Erneuerbaren und speziell auch der PV, klar die EEG-Umlagekosten übrsteigend. UNd vergesst nicht es kommt noch einges dazu, was immer vergessen wird bei den aktuellen unwahren Preisen. Hier nur kurz dies: EE bringt Steuern, kommunale Wirtschaftskraft, entlastet Umwelt, Klima und Gesundheit und Staatsfinanzen, die Kohle- und Atomstrom belasten, etwa wenn Atommüll und Ewigkeitskosten vom Staat bezahlt werden, Uterversicherug erlaubt wird, Steuerrückstellungen als Kriegskasse für Stadtwerkekauf etc. missbraucht werden dürfen. Wieso nur müssen die Netzkonzerne nun nicht endlich Priese senken, statt sie für ihren Profit zu erhöhen? Der Kontrolleur, Netzagentur hat es doch festgestellt. Haben Sie gesetzlose Macht im Staat? Was soll das in unserer Demokratie? Wählt entsprechend die, die solchen Machtmissbrauch überwinden!

      • Klaus · 3. Februar 2011 - 21:45 Uhr · Permalink

        Es ist jedem Verbraucher selbst überlassen ob er seinen Stromanbieter wechselt, wenn ihm die Preiserhöhungen zu hoch sind. Und was die Netzkonzerne angeht EON und Vattenfall haben ihre Übertragungsnetzgesellschaften im vorigen Jahr an ausländische Gesellschaften in Belgien und Holland verkauft

      • jens · 5. Februar 2011 - 18:13 Uhr · Permalink

        Das Photovoltaik bei einer bei einen durchschnittlichen Einspeisevergütung von 48 Cent im vergangen Jahr irgend einen kostensenkenden Effekt haben könnte, glauben wohl nur Analphabeten und Schwachmatiker.

  3. 890
    Stefan Wehmeier · 17. März 2011 - 19:24 Uhr · Permalink

    Alle Sachkapitalien, die in einer kapitalistischen Marktwirtschaft (Zinsgeld-Ökonomie) nur durch staatliche Subventionen mittelfristig – solange der “liebe Staat” sich die Subventionen noch erlauben kann – über die Rentabilitätshürde des Urzinses gehoben und damit praktisch realisiert werden können, haben langfristig keine Chance, sich auf dem freien Markt durchzusetzen.

    Die Frage “Was hat mehr Wert: eine Milliarde Euro oder die entsprechende Solarzellenfläche?” fällt ohne staatliche Subventionen, die letztlich von allen Steuerzahlern erarbeitet werden müssen, immer zu Gunsten des Zinsgeldes aus, denn mit der Milliarde Euro “verdient” der Finanzinvestor allein durch langfristigen Verleih über 45 Millionen Euro pro Jahr auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Zinsverlierer). Die Energie, die die entsprechende Solarzellenfläche pro Jahr erzeugt, muss für mehr als 45 Millionen Euro plus Risikoprämie plus Wartungs- und Betriebskosten plus Unternehmerlohn plus Bodenrente des Grundstücks, auf dem die Solaranlage errichtet werden soll, verkauft werden können; anderenfalls wird die Solaranlage in einer Zinsgeld-Ökonomie nicht realisiert.

    Selbst in Ländern, in denen die durchschnittliche Sonneneinstrahlung deutlich höher und die Bodenrente deutlich niedriger ist als in Deutschland, ist die Rentabilitätshürde des Urzinses für Solaranlagen ohne staatliche Subventionen kaum zu überwinden. Für die Bundesrepublik Deutschland ist es daher in der bestehenden Geld- und Bodenordnung vollkommen illusorisch, einen Großteil oder gar den gesamten Energiebedarf durch Sonnenenergie decken zu können.

    Ganz anders sieht die Situation nach einer freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform aus, wenn der Urzins des Geldes auf Null sinkt, ohne dass es zum Geldstreik (Investitionsstreik) kommen kann. Solaranlagen gehören dann zu den gefragtesten Investitionsobjekten, weil ihre Wartungs- und Betriebskosten gegenüber allen anderen Möglichkeiten der Energieerzeugung praktisch zu vernachlässigen sind. In weniger als zwei Jahrzehnten ist die globale Energieversorgung allein durch Solarzellen gedeckt, ohne dass überhaupt staatliche Subventionen notwendig werden!

    Solange es eine Mehrheit der Systemtrottel gibt, die diese einfachen Zusammenhänge genauso wenig verstehen kann wie die “hohe Politik” sie verstehen will, wird es keine Energiewende geben.

    • jens · 5. November 2011 - 18:11 Uhr · Permalink

      Solarenergie ist zur zeit noch mit Abstand die teuerste aller über das EEG geförderten Energie in Deutschland. Aufgrund überhöhter staatlicher Subventionen flossen dort aber die meisten Mittel in dem Bereich. Diese aberwitzige Mittelverschwendung sollte baldmöglichst beendet werden Solarenergie sollte nicht höher subventioniert werden wie Windenergie

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