Solarscherbenhaufen: Solarworld tritt bei PV-Cycle aus

Ein herber Schlag für die PV-Branche: Modulriese Solarworld ist Anfang Juli bei PV-Cycle ausgestiegen, wie Unternehmenssprecher Milan Nitschke bestätigte. “Wir haben das Vertrauen in das Konzept verloren”, sagt Nitschke. Sowohl die Recycling-Ziele des Verbands als auch die wirtschaftlichen Vorstellungen im Recycling-Konzept habe Solarworld zu diesem Schritt bewogen. “Wir wollen ein gutes Recycling.” Die Unentschlossenheit bei PV-Cycle und das ewige Hin und Her einzelner Teilnehmer decke sich aber nicht mit den Vorstellungen von Solarworld. 

2007 hatten Unternehmen der Photovoltaikindustrie PV-Cycle gegründet, um ein freiwilliges Rücknahme- und Recycling-Programm für Altmodule einzurichten und auf diese Weise das Versprechen der Branche für umfassende Nachhaltigkeit umzusetzen. Unter den Gründungsunternehmen war auch Solarworld, deren Tochterunternehmen Sunicon im sächsischen Freiberg 2004 die erste Recycling-Anlage für Solarmodule baute. Eine der Motivationen zur Gründung von PV-Cycle: Von Seiten der europäischen Union drohte den Solarherstellern die WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment, zu Deutsch: Entsorgung von Elektro und Elektronik-Altgeräten). Diese verdonnert die Elektronikindustrie dazu , ihre Altgeräte nach Dienstzeitende einzusammeln und fachgerecht zu entsorgen. Ein bürokratisches und teures Monstrum, wie es viele nennen.

Die EU wollte die Richtlinie gerne auf die PV-Branche übertragen, was diese zu verhinderten wusste. Der Europäische Photovoltaik Industrieverband Epia und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) signalisierten der EU damals, dass man ein freiwilliges Entsorgungssystem schaffen werde.  Mit dem Ausstieg von Solarworld – im Recycling-Verfahren führender Hersteller – steht PV-Cycle nun vor einem Scherbenhaufen.

3 Kommentare zu "Solarscherbenhaufen: Solarworld tritt bei PV-Cycle aus":

  1. 960
    Peter Koch · 7. Juli 2011 - 11:54 Uhr · Permalink

    Solarworld wettert jetzt gegen PV-Cycle und die Unentschlossenheit seiner Mitglieder. Fakt ist aber auch, dass Solarworld große Probleme hatte, einen wirtschaftlichen Recyclingprozess zu etablieren. Längst wollte das Unternehmen in Freiberg eine Recyclinganlage in industriellen Maßstand betreiben, das ausgediente kristalline Module aus ganz Europa verwertet. Das Vorhaben wurde wegen der hohen Kosten der Wiederaufbereitung bis heute nicht umgesetzt. Solarworlds Rückzug aus PV-Cycle ist somit auch ein Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit. Wie stellt sich der Konzern die Zukunft jetzt vor? Sollen all die Module, die in den nächsten Jahren ihren Geist aufgeben, auf der Müllkippe landen?

    • Jürgen Heup · 7. Juli 2011 - 12:06 Uhr · Permalink

      Solarworld hat aber im Gegensatz zu seinen Konkurrenten eine Recycling-Anlage. Gut möglich, das sich Asbeck gedacht hat: Soll PV doch unter die WEEE fallen. Wir können die Paneelen dann nach Vorgabe recyclen. Und werden dann der Konkurrenz wirtschaftliche Preise diktieren.

  2. 964
    Efried · 13. Juli 2011 - 23:36 Uhr · Permalink

    können die Module nicht zerlegt und die guten Zellen weiter verwendet werden? Das Glas sowieso. Also reuse statt stofflicher verwertung? Die nun auf uns einströmenden chinesischen vergossenen Module müssen wohl thermisch behandelt werden.

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