Plusminus-Bericht zu Choren bietet wenig Neues

Mit einer Vorankündigung zu angeblichen Tricksereien beim insolventen Biokraftstoffproduzenten Choren hatte das ARD-Magazin “Plusminus” geworben und Neugierde geweckt. Schon vorab berichteten einige andere Medien. Doch letztlich bot der ARD-Bericht wenig neue Fakten und offenbarte darüber hinaus noch Rechercheschwächen.Wer sich neue Erkenntnisse von den Plusminus-Recherchen erhofft hatte, der wurde enttäuscht. Choren habe mit einem zu niedrigen Holzpreis kalkuliert und es nicht geschafft, die Beta-Anlage in Freiberg ans Laufen zu bringen, war zu hören. Beides bekannte Tatsachen. Dass Choren sich bei der Preiskalkulation für die Rohstoffe verhauen hat, wird von den Investoren offen eingestanden. Schon vor der Insolvenz wurden deswegen Pläne für eine zweite, noch größere Anlage in Schwedt, in der ebenfalls aus Holz Synthesesprit produziert werden sollte, fallengelassen.

Der größte Fauxpas der Beitrages war aber sicherlich, Claus Sauter als scheinbar unabhängigen  “Biokraftstoffexperten” zu titulieren. Kein Hinweis darauf , dass Sauter Chef und Inhaber von Verbio, einem der größten Biokraftstoffhersteller in Deutschland ist. Wäre es Choren gelungen, seinen Synthesesprit auf Holzbasis zu marktfähigen Preisen herzustellen, wäre Verbio eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen. Eine Konkurrenz die zudem, anders als Verbio, keine Nahrungsmittel für die Produktion einsetzt.

Dass  Sauter nun den Choren-Sprit als im Vergleich zu den von Verbio produzierten Biokraftstoffen der ersten Generation viel zu teuer darstellt, ist wenig verwunderlich und aus seiner Sicht verständlich. Auch in seiner früheren Rolle als Präsident der Verbandes der Deutschen Biokraftstoffe hat er eine kritische Haltung zu den sogenannten Biokraftstoffen der zweiten Generation vertreten. Der Zuschauer hätte aber auf diese Verbindung hingewiesen werden müssen.

Laut Plusminus-Bericht seien in der Anlage in Freiberg zudem nur geringe Mengen des Synthesesprits hergestellt worden, das Unternehmen habe versucht diese Tatsache zu verschleiern. Fakt ist, in der Beta-Anlage in Freiberg wurde bisher überhaupt kein synthetischer Sprit hergestellt, sondern nur geringe Menge Synthesegas – ein großes Geheimnis war dies aber auch nicht, wie in diesem Blog von Ingenieur Robert Rapier zu lesen ist.

Einen Ausführlichen Bericht zur Choren-Insolvenz und den Folgen lesen Sie in der September-Ausgabe der neue energie.

2 Kommentare zu "Plusminus-Bericht zu Choren bietet wenig Neues":

  1. 994
    Efried · 4. September 2011 - 10:01 Uhr · Permalink

    Das dumme ist dass die 2nd gen biofuel Hype auch erlaubt hat die 1st gen Biofuels totzumachen!
    Jetzt wird sichtbar welche eigennützige Politik VW & Co treiben. Hauptsache die Investitionen in die Motorentechnik sind gerettet. Die Politik sollte dringend einen Mehrstoffmotor von der Industrie einfordern, ein Langsamläufer für ein mittelgroßes serielles Hybridfahrzeug ist hier die leichteste Aufgabe!

  2. 995
    Ron Kirchner · 7. September 2011 - 17:37 Uhr · Permalink

    Guter Artikel über die kontroverse Darstellung von Biokraftstoffen in einem der großen deutschen Fernsehsender.

    Ich würde mir ebenfalls einen wesentlich sensibleren Umgang mit dem häufig als zu negativ dargestellten Thema der Biokraftstoffe wünschen. Es geht darum, die vielen Potentiale dieser modernen Energieform freizusetzen. Es nützt einfach viel weniger, wenn durch die einseitige Fokussierung auf ihre (sicher bestehenden) Nachteile wertvolle Chancen für die Entstehung weiterer Jobs und die Beschleunigung der Energiewende ungenutzt vergehen. Keine der Erneuerbaren Energien wurde perfekt geboren, sondern alle mussten und müssen gemeinsam weiterentwickelt werden.

    Immerhin schön, dass über Biokraftstoffe in den großen deutschen Medien berichtet wird! Aber bitte mit etwas mehr Feingefühl. Guter Journalismus mit tiefer Recherche ist sicher zeitaufwendiger, aber ein echter Beitrag zur Aufklärung und Weiterentwicklung von wichtigen gesellschaftlichen Themen.

    Dass es guten Journalismus gibt, kann man ja an diesem Artikel erkennen :-)
    Vielen Dank für den kritischen Artikel!

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