Unbeliebtes E10: Ethanolabsatz steigt trotzdem

Wohl wenige Produkteinführungen sind jemals so in die Hose gegangen wie die des Misch-Kraftstoffes E10. Trotz dieses Flops steigt der Ethanol-Absatz in Deutschland. Am Image muss die Branche dennoch weiter arbeiten.

Der neue Superkraftstoff E10 mit zehnprozentigem Ethanol-Anteil sollte die Emissionen im Straßenverkehr senken und dabei helfen, die Abgasvorgaben der EU zu erfüllen. Regierung, Tankstellenbetreiber und Autobauer versäumten es aber, ihre Kunden über Sinn und Zweck des neuen Sprits zu informieren. Mit dem bekannten Ergebnis, dass E10 bei deutschen Autofahrern in etwa so beliebt ist wie Autobahnmaut oder Hagelschäden. Nur wenige Überzeugungstäter tanken den Stoff, so konnte man zumindest annehmen.

Doch nun zeigt sich, dass der Ethanolabsatz steigt. Laut einer aktuellen Statistik des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurden in diesem Jahr bereits 570 000 Tonnen Ethanol verbraucht, das sind rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Statistiker gehen davon aus, dass der Absatz weiter steigt. Immer mehr Autofahrer scheinen demnach E10 auch zu tanken. Im herkömmlichen Super sind fünf Prozent Ethanol enthalten.

Und dass, obwohl Kritiker weiterhin den Umweltnutzen von Biokraftstoffen in Frage stellen. Angeblich verursachen diese sogar höhere CO2-Emissionen als fossiler Sprit. Argwöhnisch beäugen die Gegner vor allem die Produktion von Ethanol und Biodiesel in Asien und Südamerika. Dort würden reihenweise Urwaldflächen für den Energiepflanzenanbau gerodet, so der Vorwurf. Zudem stehe der Biospritanbau in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

Nur ein Drittel glaubt an Klimanutzen

In der Tat ist der Preis für Zucker im letzten Jahr deutlich gestiegen, unter anderem, weil die Zuckerrohrernte beim Hauptproduzenten Brasilien schlechter ausfiel. Das hat Auswirkungen für die Ethanol-Industrie, auch in Deutschland. Rund 500 000 Tonnen Zucker-Importe für die EU wurden nach Anordnung der Kommission nicht wie geplant für technische Zwecke genutzt, sondern für den Nahrungsmittelsektor. Die Biosprit-Branche sieht dies als Beleg, dass die Nahrungsmittelprodutkion weiterhin Vorrang vor der Energieproduktion habe. Die Produktion der deutschen Ethanol-Anlagen ging entsprechend im Jahr 2011 um 20 000 Tonnen zurück, was wiederum die Auslandimporte erhöht und die Kritiker nicht unbedingt beruhigt.

Die Mehrheit der Bevölkerung  sieht die Klimaschutzwirkung von Ethanol offenbar immer noch mit Skepsis. In einer Umfrage des Branchenverbandes BDBE zu E10 gaben nur 34 Prozent der Befragten an, dass Bioethanol gut für das Klima sei. Zwei Drittel bezweifeln den Nutzen. Und auch denjenigen, die E10 tanken, geht es laut der Umfrage vor allem um eine Preisersparnis im Vergleich zu fossilem Sprit. Nur 11 Prozent geben an E10 zu tanken, um CO2-Emissionen einzusparen. Als Reaktion auf die Umfrage hat der Verband eine Imagekampagne gestartet. Eigens produzierte Filmclips sollen die die Vorteile von Ethanol herausstellen. Ob das ausreicht?

8 Kommentare zu "Unbeliebtes E10: Ethanolabsatz steigt trotzdem":

  1. 1000
    Klaus Strör · 7. Oktober 2011 - 15:14 Uhr · Permalink

    Ich tanke die scheiße nicht und werde sie auch niemals tanken…

  2. 1002
    Mondi · 7. Oktober 2011 - 15:57 Uhr · Permalink

    Ich tanke die Scheisse und werde sie auch weiterhin tanken.

  3. 1003
    Ron Kirchner · 8. Oktober 2011 - 08:56 Uhr · Permalink

    Wo wir gerade bei Exkrementen sind! Ethanol aus Gülle ist sicher schwierig herzustellen, aber aus Gülle kann leicht Bioerdgas als Biokraftstoff hergestellt werden.

    Den bisherigen E10-Scheiß tanke ich übrigens auch und würde sogar E20 tanken.

  4. 1004
    Ruedi Brandt · 9. Oktober 2011 - 10:56 Uhr · Permalink

    Ich tanke E10 nicht nur im Auto sondern auch im Motorrad. Beide Fahrzeuge gibts auch in den USA und dort wird schon seit 10 Jahren E15 getankt. Sollen mal andere die Aufpreise zahlen, bin froh wenn ich Geld sparen kann.
    Schuld ist die Autoindustrie die 120g Co2/km nicht wollte dank Merkel aber 130g u. E10 bekommen hat.

  5. 1006
    Ron Kirchner · 10. Oktober 2011 - 15:42 Uhr · Permalink

    Ich habe sogar von einem Brasilianer der zwischen Deutschland und Brasilien pendelt gehört, der sich seinen Kraftstoff in Deutschland selbst mischt!

    Dafür füllt er den Tank seines Wagens zuerst zur Hälfte mit Super Benzin, gibt dann dem Tankwart ein Zeichen die Zapfsäule zwischenzuspeichern und wieder auf Null zu stellen, um die verbleibende Menge dann mit Bioethanol E85 aufzufüllen! So erhält er sogar einen noch höheren Ethanol-Mix ohne das er seinen Wagen komplett auf E85 umrüsten müsste. Das ist für viele Deutsche sicher ziemlich unkonventionell, aber er tankt so schon seit vielen Jahren und spart bei jeder Tankfüllung etwa 10 Euro.

    Jetzt darf man aber nicht vergessen, dass Brasilien schon seit vielen Jahren und im großen Stil E20 bis E25 tankt und die Erfahrungen mit diesem Biokraftstoff einfach schon deutlich höher sind. Aus eigener Erfahrung kann ich diese Methode deshalb noch nicht empfehlen, aber sie zeigt doch die Experimentierfreude einiger Autofahrer!

  6. 1007
    Daniel · 10. Oktober 2011 - 17:24 Uhr · Permalink

    Ich tanke Ethanol hauptsächlich aus Preisgründen. Am liebsten E85 mit E10 selbstgemischt. In meinem Passat 96 (Original Benziner) tanke ich zuerst 20l E85 und den Rest (ca. 50l) mit E10. Diese Methode habe ich nicht erfunden, sondern mir von anderen Autofahrern abgeguckt. Das ergibt dann ca. E30. Mich freut am meisten, 50 Cent/liter zu sparen. Ätsch-Bätsch, Ölkonzerne – ich bin 30% Öl-befreit!

    Ich liebe E85, weil es immun zu sein scheint gegen dieses ständige Auf und Ab der Preise am Wochenende. Was ein Theater, gerade wenn ich losfahren will, muss ich der Gefälligkeit der Benzinpreise ausgesetzt sein. Komisch, dass darüber keiner was allzu laut sagt.

    Über Ethanol befindet man viel und mißt man wenig. Das zeigt, wie leicht manipulierbar die Massen sind. Man sieht das schon daran, dass von Ethanol Nachhaltigkeitsgarantien verlangt werden, die weder Hersteller fossiler Brennstoffe noch elektrischer Autos verlangt werden.

    Allerdings finde ich nicht, dass NUR Ethanol die Lösung sein kann. Es ist nur der Anfang. Ich finde die Idee, mit alternativen Brennstoffen zu fahren gut, je nach dem, was vorhanden ist, so dass eine Dezentralisierung oder gar eine Autonomie im Energiebereich wie bei Solarenergie möglich wäre.

    Eine Evolution steht uns bevor. Sicherlich würde ich Elektro fahren (vom dem eigenen Solardach “betankt”) oder Hybrid mit einem Flex Motor, warum nicht? Ein bisschen TRI (-fuel) schadet nie.

  7. 1008
    Ron Kirchner · 11. Oktober 2011 - 10:34 Uhr · Permalink

    Das ist auch ein Punkt, der mich immer stark wundert. Warum müssen Biokraftstoffe alle möglichen Nachhaltigkeitszertifikate nachweisen um in der EU zugelassen zu werden, während das fossile Kraftstoffe nicht tun müssen! Wenn Biokraftstoffe mit der Zertifizierung wenigstens eine Steuererleichterung erhalten würden und somit einen daraus resultierenden Preisvorteil hätten, dann wäre dieser Mehraufwand für Biokraftsoffe verständlich.

    Aktuell müssen Biokraftstoffe ihre besondere Umweltfreudlichkeit nachweisen und bekommen als Beimschung zu fossilen Kraftstoffen nicht mal einen Markt-/Preisvorteil, sondern werden sogar noch dafür kritisiert, dass sie einige Standards nicht einhalten. Was ist mit den fossilen Kraftstoffen, warum müssen die keinen Nachweis bringen oder wenigstens einen Preisnachteil (Stichwort: externe Kosten) hinnehmen?! Das ist schon etwas seltsam und ich hoffe, dass Politik und Wirtschaft an dieser Stelle nachbessern oder dieses Ungleichgewicht zumindest erklären.

    Ich bin dafür, dass jeder Kraftstoff seine Nachhaltigkeit nachweisen muss (Regenwaldabholzung, Meeresverschmutzung, Kohlenstoffdioxidausstoß etc.) und diese Ergebnisse in die Preisfindung einfließen!

  8. 1019
    bernd · 29. Oktober 2011 - 18:58 Uhr · Permalink

    wer sowas tankt lässt dich verarschen…
    ARD Tagesschau Nachrichten
    http://www.tagesschau.de

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