Vor der EEG-Umlageprognose: Solarverband reicht Schwarzen Peter weiter

Es ist wieder soweit: Kurz bevor am 15. Oktober die vier Übertragungsnetzbetreiber die EEG-Umlage fürs kommende Jahr bekannt geben, positionieren sich alle Beteiligten. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) hat Photovoltaik als möglichen Preistreiber vorab schon mal ausgeschlossen und reicht damit den Schwarzen Peter weiter. BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig: „Solarenergie kann nicht länger als Buhmann für steigende Strompreise herhalten.”

Einem weiteren starken Ausbau der Solarstromnutzung stünde kostenseitig nichts mehr im Wege, so der Solar-Lobbyist. Körnig verweist auf die in den letzten Jahren gesunkennen Erzeugungskosten bei der Photovoltaik. Die deutlich reduzierten Fördersätze für Solarstrom hätten dazu geführt , dass auch ein starker Ausbau der PV die Strompreise kaum noch erhöhen werde. Der BSW schätzt, dass 2017 erste Solarstromanlagen auf Gebäuden ohne finanzielle Förderung auskommen.

Beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) geht man davon aus, dass im kommenden Jahr unterm Strich keine höheren Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien für die Verbraucher entstehen dürften. Falls doch, so wäre das lediglich die Folge der mangelhaften gesetzlichen Berechungsgrundlage, stellt BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann klar.  Zudem weist der Erneuerbaren-Dachverband darauf hin, dass die Bundesregierung neue Ausnahmeregelungen für die Wirtschaft geschaffen habe. Dadurch sind immer mehr Firmen von der Umlage befreit oder erhalten Vergünstigungen. Was wiederum dazu führt, dass die privaten Haushalte stärker belastet werden.

Diese Diskussionen deuten auf eines hin: Dass sich die Spekulationen um steigende Umlagekosten bewahrheiten. Das aber fürchten die Erneurbaren, weil es auf den empfindlichsten Punkt der Energiewende zielt. Auf das Portemonnaie der Verbraucher. Bis dato haben die Erneuerbaren noch ein Stein im Brett. Also bloß nicht in Ungnade fallen? Dann hätten die fossilen Energieversorger den Schwarzen Peter erfolgreich zurückgeschoben.

Oder werden die deutschen Stomverbraucher unterschätzt, bleiben sie auch bei weiterhin steigenden Strompreisen den Erneuerbaren gewogen? Was denken Sie?

PS: Verfrühter Feueralarm? Laut Reuters soll die EEG-Umlage nun doch nur minimal ansteigen, von derzeit 3,53 Cent pro Kilowattstunde auf 3,6 Cent. Für den Durchschnittshaushalt würden dies Mehrkosten von etwas über drei Euro pro Jahr bedeuten, schreibt die Nachrichtenagentur.

PSPS: Das nächste Gebot: Die Deutsche Energieagentur Dena rechnet mit einer Erhöhung der EEG-Umlage von 0,3 Cent auf dann 3,8 Cent pro Kilowattstunde Strom für 2012. Das sagte der Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung.

PSPSPS: Nach den Spekulationen hier die Realität: Die Übertragunsnetzbetreiber gaben heute bekannt, dass die Verbraucher zur Förderung der erneuerbaren Energien im Jahr 2012 mit 3,592 Cent pro Kilowattstunde beitragen. Damit liegt die
EEG-Umlage im Jahr 2012 nur unwesentlich über Vorjahresniveau, schreiben 50 Hertz, Amprion, EnBw und Tennet unisono. Die Dena war wieder einmal zu pessimistisch.

5 Kommentare zu "Vor der EEG-Umlageprognose: Solarverband reicht Schwarzen Peter weiter":

  1. 1009
    Antje Radcke · 12. Oktober 2011 - 12:27 Uhr · Permalink

    Wenn wir die Stromverbraucher bei Laune halten wollen, dann sollten wir uns vielleicht mal bei allen bedanken und ihnen (uns) ein Bild davon machen, was wir alles schon geschafft haben. Das könnte im Zeitalter von SocialMedia eine richtig tolle Aktion werden. Sollte es hier Menschen geben, die das ähnlich sehen: Bin gern bereit, meine Ideen beizusteuern.

  2. 1010
    Henni · 12. Oktober 2011 - 14:12 Uhr · Permalink

    Wenn die großen Stromkonzerne auf ihre hohen Gewinmargen verzichten würden, bräuchte man auch keine EE Umlage. So einnfach ist das. Windstrom ist laut Siemens schon heute mit 4 – 5 cent pro kWh Erzeugungskosten fast auf einem Niveau wie Kohle und Atomstrom – nur 100 % grüner, ohne CO2 und ohne Enlagerprobleme die den Steuerzahler zusätzlich belasten! Mittlerweile ist überflüssige Windenergie als Wasserstoff über Elektrolyse mit einem nicht so schlechtem Wirkungsgrad speicherbar. Dieser kann direkt genutzt werden oder in Methan (Bioerdgas) umgewandelt werden. Also, lieber der Politik Druck machen dass Sie die Energieerzeuger zwingt, ihre enormen Margen zu senken. EON, RWE und Co machen nicht umsonst Milliarden Gewinne.. Ich verstehe nicht, wieso man sich da um nen paar Prozen EE Umlage aufregt. Kommunen gesteuerter EE Strom könnte eh billiger werden. Produktionskosten + Netzausbauanteil + EE Umlage + Gesunde Gewinmarge = immer noch günstiger als die 23 – 30 Cent die wir heute pro kWh Zahlen. Denkt mal nach.

    • Jürgen Heup · 12. Oktober 2011 - 14:28 Uhr · Permalink

      In der Tat: Was oder wer macht den Strom eigentlich teuer? Interessant ist diese Grafik:
      http://www.sturmlauf.de/files/hilfsb_85_stromkosten_haushalte_2010.pdf

    • Ruedi Brandt · 13. Oktober 2011 - 10:31 Uhr · Permalink

      Sehe ich ähnlich und die 3 Euro Mehrkosten im Jahr kann man einsparen wenn man pro Jahr 12 kWh weniger verbraucht.

      Wenn Sie die Elektrolyse u. die Speicherung von Windstrom in Wasserstoff ansprechen dann möchte ich auf die Fallfilm-Elektrolyse mit 94% Wirkungsgrad (ho) hinweisen!
      Mit Mini-BHKW oder künftig mit BZ kann dieses H2 dann zu 90% bzw. 99% genutzt werden. Und Stromleitungsneubau kann man sich sparen.

      Besonders interessant finde ich diesen link, auch wenn ich finde dass man sich nicht so sehr auf Biomasse konzentrieren sollte.
      http://www.bio-wasserstoff.de/h2/

  3. 1013
    Antje Radcke · 14. Oktober 2011 - 10:38 Uhr · Permalink

    Hier ein wunderbarer Kommentar der taz: “DIE PHOTOVOLTAIK WIRD ZU UNRECHT VERTEUFELT – Dächer zu Kraftwerken” http://www.taz.de/Debatte-Photovoltaik/!79918/

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  • Autor

    Jürgen Heup

    Jahrgang 1970
    Förster und Journalist, als Redakteur bei neue energie zuständig für Solar- und Bioenergie-Themen

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