Elektromobilität: Die Mär von der Ökolüge

Die Aufregung in den Medien ist groß: Sind Elektroautos in Wahrheit doch nicht so grün? Dies behauptet angeblich eine Studie des Öko-Institutes. Selbst Umweltminister Norbert Röttgen sieht sich zu einem Statement genötigt. Genau nachgelesen hat offenbar niemand.

Elektroautos sind teuer und von zweifelhafter ökologischer Bilanz, so läßt sich verkürzt der Bericht der “taz” vom Montag  zusammenfassen. Nach derzeitigem Stand führt der Ausbau der E-Mobilität zu einer höheren Klimabelastung, war dort zu lesen.  Denn nur mit Strom aus zusätzlichen erneuerbaren Energien könnten die Fahrzeuge zum Klimaschutz beitragen. Der Artikel bezieht sich auf eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Bundesumweltministeriums.  Dumm nur, dass diese bei genauerem hinsehen zu einem anderen Ergebnis kommt.

Die Studienautoren weisen lediglich darauf hin, dass Elektromobilität nur sinnvoll ist, wenn die Fahrzeuge mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dass ist wohlgemerkt Common Sense bei allen Spielern auf dem Feld der E-Mobilität. Die von der Bundesregierung für 2030 anvisierten sechs Millionen Elektroautos könnten, so das Institut, rund sechs Prozent der gesamten CO2-Emissionen im Verkehr einsparen. Die Autoren betonen zudem, dass mit Investitionen in effizientente Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2030 deutlich mehr Emissionen, nämlich 25 Prozent, gespart werden könnten. Dies liegt aber schlicht und ergreifend an der Tatsache, dass es in naher Zukunft noch deutlich mehr Benzin- und Dieselfahrzeuge auf deutschen Straßen geben wird. Bei über 44 Millionen zugelassenen Fahrzeugen, sind sechs Millionen eben nur ein kleiner Anteil.

Öko-Institut distanziert sich

Wer den Bericht in der taz liest, kommt aber zu dem Ergebnis, dass es wohl generell sinnvoller sei, in effiziente Benzin- oder Dieselautos zu investieren, statt auf Elektroautos zu setzen.  Verwiesen wird etwa auf eine Studie des Institut für Energie-  und Umweltforschung  Heidelberg, wonach ein Benzinbetriebener Kleinwagen ähnlich viele Emissionen verursacht wie ein Strombetriebener, der mit dem herrkömmlichen Energiemix getankt wird. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält die Stromer aus den gleichen Gründen für Teufelszeug. Hier reden die sonst so grünen Autoren den Beharrungskräften in der deutschen Automobilindustrie das Wort, für die Elektromombilität immer noch ein ungewolltes Kind ist.

Fakt ist aber: In allen Regierungsbeschlüssen und Papieren zur Elektromobilität, wie etwa dem Regierungsprogramm aus dem letzten Jahr, ist eindeutig zu lesen, dass das Thema nur Sinn macht, wenn die Autos mit zusätzlichem erneuerbaren Strom betrieben werden. Zitat: “Der  zusätzliche  Bedarf  an  elektrischer  Energie  in  diesem  Sektor ist  durch  Strom  aus  Erneuerbaren  Energien  zu  decken….Für  den  darüber hinaus  gehenden  Strombedarf  für  Elektromobilität  sind  weitere Ausbaupotentiale  der  Erneuerbaren  Energien  zu  erschließen.“ Für die Bundesregierung ist die Elektromobilität nicht nur ein Weg um Emissionen einzusparen, sondern auch um die Abhängigkeit vom knapper werdenden Öl zu verringern. Dennoch sah sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) genötigt zu betonen, erst die Nutzung zusätzlicher erneuerbarer Energien bei E-Autos ermögliche eine deutlich spürbare Verringerung der CO2-Emissionen. “Eine bloße Verlagerung des CO2-Ausstoßes vom Auspuff zum Kraftwerk ist Augenwischerei.”

Dabei kommt selbst in der sonst gerne der Umweltsünde verdächtigen konventionellen Energiewirtschaft offenbar niemand mehr auf die Idee, E-Autos mit Strom aus dem fossilen Kraftwerkspark zu versorgen. So ließ BDEW-Vorstand  Roger Kohlmann am Montag verlauten: “Die Energiewirtschaft hat zugesagt, den notwendigen regenerativen Strom zusätzlich zur Verfügung zu stellen und wird alles daran setzen, das Klimaschutzpotenzial von Elektrofahrzeugen optimal zu nutzen. Elektromobilität ist in Deutschland nur auf Basis Erneuerbarer Energien sinnvoll.”

Verwunderlich daher, wenn der Tagesspiegel heute kommentiert: „Doch im Zuge der Euphorie über eine saubere Art der automobilen Fortbewegung wurde von Beginn an gerne ausgeblendet, dass die Art der Stromerzeugung für den Klimaschutz entscheidend sein wird.“ Das ist, zumindest den offiziellen Beschlüssen nach, schlichtweg falsch. Kein Papier zu Elektromobilität in dem nicht genau auf diesen Zusammenhang verwiesen wird.

Das Ökoninstitut, vom Wirbel um die bereits vor zwei Wochen veröffentlichte Studie überrascht, stellte am Montag klar, die Elektromobilität sei langfristig notwendig für den Klimaschutz und könne bereits bis zum Jahr 2030 eine wichtige Option für den klimafreundlichen Verkehr sein . „Das Öko-Institut distanziert sich daher von der pauschalen Behauptung, dass Elektrofahrzeuge eine ‘Ökolüge’ darstellen.“

Eine passende Antwort zum Thema scheint der französische Elektroautobauer mia zu geben, der in diesem Jahr seinen E-Microbus auf den Markt bringen will. Für jedes verkaufte Mia-Modell will das Unternehmen in Windparks oder Solaranlagen investieren. Der dort erzeugte Strom soll den durchschnittlichen Jahres­energiebedarf der verkauften Elektroautos decken.

1 Kommentar zu "Elektromobilität: Die Mär von der Ökolüge":

  1. 21723
    Prof. Dr. Manfred S. · 6. Juni 2014 - 15:58 Uhr · Permalink

    Es ist schon sehr schmerzlich, wenn zu einem solchen Thema im www nur unqualifizierte Möchtegern-Reporter Stellung nehmen.
    Es wird von der sogenannten grünen Bewegung unterschlagen, dass Co2 kein Vergleich zu den abgebrannten Brennstäben ist, welche durch E-Autos verursacht werden. Dazu kommt, dass die Herstellung der Akkus die Umwelt völlig verseucht.

Ein Trackback

  1. [...] Jan Wilms Foto: TeslaDas Elektroauto eine Ökolüge? Dieses vermeindliche Ergebnis einer Studie des Öko-Institutes sorgte vor kurzem für einigen Wirbel in den Medien. Im Interview mit EE-Blog relativiert Studienautor Florian Hacker die Berichte und [...]

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