Kommunale Windrevolution

In Deutschland sind im vergangenen Jahr Windturbinen mit insgesamt 2085 Megawatt Leistung neu ans Netz geschlossen worden – 30 Prozent mehr als 2010 (1551 MW). Der deutsche Markt erweist sich damit als stabil und robust. Das ist auch ein Verdienst der Bundesländer.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: In Bayern sind 2011 Windenergieanlagen mit 164,52 Megawatt errichtet worden. Gebetsmühlenartig erklärte der überwiegende Teil der bayerischen Politiker jahrelang, in Süddeutschland gebe es keinen Wind. Energieversorger im Süden der Bundesrepublik haben lieber gleich auf Beteiligungen an Offshore-Projekten gesetzt. Vor der eigenen Haustür hätten sie es leichter gehabt, denn: Offshore sind im vergangenen Jahr laut VDMA wegen zahlreicher Probleme lediglich 30 MW aufgestellt und worden. Bayern übertrumpft die Windkraft auf dem Meer damit um das Fünffache.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, berichtet auf der Pressekonferenz zum Windmarkt 2011, sein Verband habe die Windinstallationsziele der einzelnen Bundesländer addiert und sei dabei auf eine Gesamtleistung von 80 Gigawatt gekommen. Derzeit sind es bereits 29 Gigawatt, die rund zehn Prozent unseres Strombedarfs decken. Die Bundesregierung dümpelt derweil bei einem wenig ambitionierten Ziel von 35 Gigawatt für 2020 herum.

Insgesamt entwickelt sich der deutsche Windmarkt seit der Energiewende zum Markt der Länder: Viele neue Regierungen haben ambitionierte Klimaschutz- und Energiekonzepte verabschiedet und sogar auf Wunsch einzelner Gemeinden neue Flächen ausgewiesen. Die Gemeinden bringen sich dabei so stark ein wie nie zuvor, indem sie die Planer verpflichten, einen Teil ihrer Anlagen als Bürgerwindparks zu planen. Das wiederum erhöht die Akzeptanz.

Zu den Newcomern gehört auch Rheinland-Pfalz, wo 258 Megawatt installiert wurden. Damit sicherte sich das Binnenland Platz 3 hinter Niedersachsen (431 MW) und Schleswig-Holstein (300 MW). Vor fünf oder sogar zehn Jahren hieß es überall: Für die Windkraft gibt es einfach keine Standorte mehr. Die beiden Küstenländer, in denen die Windkraft ihre Kinderstube hatte, strafen diese Behauptungen Lügen. Schleswig-Holstein dürfte in diesem Jahr zum Beispiel von neu ausgewiesenen Standorten profitieren. Und auch in Bayern,Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen könnte durch neue Gesetze 2012 einiges ans Netz gehen. Der BWE prognostiziert für dieses Jahr Neuinstallationen von insgesamt 2200 MW.

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