Neue Tischordnung

Nicht nur in der Solarindustrie ist tabula rasa angesagt: Vestas, Weltmarktführer bei Windturbinen, baut seine Führungsetage radikal um, entlässt weltweit mehr als 2000 Mitarbeiter. Kosten sparen, den ausufernden Laden besser führen und sich auf Markteinbrüche in den USA vorbereiten, so die Begründung der Dänen.

Der Engel hat wieder zugeschlagen.  Seit Mai 2005 sitzt der 47-Jährige Ditlev Engel auf dem ersten Platz der Tafelrunde. Schon mehrfach hat er die Tischordnung durchgewirbelt, neue Stühle rangeschoben, andere an die Seite gestellt. Aber noch nie war er so radikal wie jetzt. Von 16 Sesseln im Top-Management bleiben nur 6 übrig. Und auf deren Rücken steht ein vollkommen anderes Etikett als bisher. Die Zeiten des “Vestas Government”, die Zeiten der großen Tafelrunde sind vorbei. Mit zwei dicken Kreuzen ist das Wort auf der heutigen Präsentation der neuen Tischordnung durchge-x-t.

13 “Government”-Mitglieder sind draußen. Neben Engel und dessen bisherigen Vize Henrik Norrenmark darf einer der bisherigen Recken am neuen Tisch Platz nehmen – und ein Mann aus der zweiten Reihe. Zwei weitere Mitstreiter, der Finanzchef und der Leiter der Service-Sparte, werden noch gesucht – “extern”, wie es deutlich heißt.

Weniger soll hier mehr sein. Der Tisch der Vestas-Bosse war zu groß geworden. In den mehr als einem Dutzend Geschäftsbereichen lief zu viel aneinander vorbei.  In der oberen Etage, wo wirklich entschieden wird, saßen dagegen nur zwei Leute – Engel und sein Kompagnon. Ein Ungleichgewicht.

Bis Mitte März – so der Zeitplan – soll klar sein, wie sich unter dem neuen Sixtett alles sortiert. Bis Mitte März soll auch klar sein, bis wann und zu welchen Bedingungen 2335 Mitarbeiter ihren Job los sind. Der Großteil – rund 1300 – wird in Dänemark stempeln gehen müssen. Eine Turmfertigung in Varde wird geschlossen, die Verwaltungseinheiten im Technologiebereich eingedampft. In Deutschland, Italien, Spanien und Schweden gibt es Stellenabbau  in den “support functions”, also in Verwaltung und zentralen Einheiten.

Auf Deutschland wie den Technologiebereich scheint Engel einen besonderen Prass zu haben. Probleme mit der neuen Generatorfabrik im deutschen Travemünde und bei der Markteinführung der V112 wie anderer Technologien haben das 2011er-Ergebnis verhagelt. Für diese Lage nimmt selbst der Vestas-CEO das Wort “Krise” in den Mund. Sichtbares Zeichen sind die Abgänge von Verantwortlichen: Finn Strom Madsen, bisher für Technologie und Forschung zuständig, ist draußen. Anders Soe-Jensen (Offshore) und Bjarne Ravn Sorensen (Kontrollsysteme), zwei weitere Ex-Tafelrunden-Ritter haben der Burg den Rücken gekehrt, auch Kommunikationschef, Peter Wenzel Kruse, ist weg.

Bei diesen Abgängen wird es nicht bleiben. Und es bleibt eine Frage: Wie lange darf Engel noch die Tafelrunde anführen?

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