Spitzencluster: Kein Geld für Wind, viel Förderung für Pharma

Lange Gesichter in Bremen, Bremerhaven, Hamburg und Oldenburg: Das WindPowerCluster ist beim Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums gescheitert – im zweiten Anlauf. Einen dritten wird es nicht geben, denn die 600 Millionen Euro Forschungsförderung sind jetzt an 15 Projekte verteilt. Darunter ist nur ein Erneuerbaren-Cluster, aber viel Pharma, viel Nanotechnik, viel IT und: Süddeutschland.

“Fünf Wegbereiter für künftigen Wohlstand” hat Deutschland seit gestern. So sieht das Bundesforschungsministerium die Sieger der dritten und letzte Runde im Spitzencluster-Wettbewerb. Immerhin: Mit dem BioEconomy Cluster, das neue Wege der stofflichen Biomasse-Nutzung untersuchen will, und Elektromobilität Süd-West, sind im weiteren Sinne auch zwei mit “Energie” verbundene Cluster siegreich gewesen. Explizit mit erneuerbaren Energien hat aber nur eins von 15 Projekten zu tun: das Solarvalley Mitteldeutschland. Und dieser Zusammenschluss aus Industrie und Forschung bekam schon 2008, in der ersten Runde, den Zuschlag. Seitdem war kein Erneuerbaren-Cluster mehr erfolgreich – obgleich “Klima und Energie”  zu den fünf Schwerpunktfeldern des Wettbewerbs zählen.

Sonne und Bioenergie kamen aber immerhin zum Zug. Windenergie scheint die Jury dagegen für kein Innovationsthema in Deutschland und auch nicht für einen “Wegbereiter” künftigen Wohlstands zu halten. Anders lässt sich nicht erklären, warum das WindPowerCluster – mit dem Schwerpunkt Offshore – einmal mehr leer ausging. Gerade in die Windenergie flossen und fließen deutlich weniger Forschungsgelder hierzulande als in die anderen erneuerbaren Energien, von dem was Kohle und Atom an F&E-Förderung bekommen einmal ganz abgesehen. Grundlagenforschung an Materialien, neuen Konstruktionen und dergleichen wird überhaupt nicht gefördert. Ist Windenergie technisch schon ausgereift? Gerade bei Offshore kann davon wohl keine Rede sein. Hier steht die Technologie ganz am Anfang, Forschung ist dringend nötig.

Aber die Jury scheint ein größeres Herz für Medizin zu haben. 4 von 15 Clustern liegen in diesem Bereich. Und 9 von 15 Clustern liegen in Baden-Württemberg und Bayern. Armer, gesunder Patient Deutschland: Die Innovation liegt darin, dass du noch fitter wirst. Der Norden Deutschlands und die Erneuerbaren-Branche dürfen selbst zusehen, wie sie Innovation vorantreiben.

2 Kommentare zu "Spitzencluster: Kein Geld für Wind, viel Förderung für Pharma":

  1. 1835
    H. Jensen · 20. Januar 2012 - 21:09 Uhr · Permalink

    Hmmm,
    ich mag mich irren, aber vielleicht geht es bei der Vergabe von Forschungsgeldern im Wettbewerb “Spitzencluster” auch um die Bewertung von Spitzenforschung und nicht um Entwicklungshilfe und Peppelmaßnahmen für strukturschwache Regionen? Nur so ein Gedanke ;-)

  2. 2149
    Julian · 24. Januar 2012 - 12:56 Uhr · Permalink

    Ich finde, es sollte allgemein nicht bei den Forschungsarbeiten und Investitionen gesparrt werden. Genau hier kann man am besten Investieren und es ist wichtig das alles weiter erforscht wird. Egal wie gut oder schlecht eine Forschung voranschreitet und bewertet wird.

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