Scheidung auf indisch oder: Wird Repower französisch?

Die Financial Times landete heute einen Coup: Kraftwerksbauer Alstom prüfe den Kauf von Repower, vermeldet die Wirtschaftstageszeitung aus Hamburg. Der jetzige Eigentümer, die indische Suzlon, brauche dringend Geld, um eine ausstehende Anleihe zu bezahlen. Was ist dran?

‘Alles nur Gerüchte’, lauten die Reaktionen aus Indien. ‘Wir kommentieren keine Spekulationen’, heißt es aus der Zentrale von Alstom auf die heutige Schlagzeile der Financial Times: Alstom will Repower kaufen und prüft dazu die Bücher.

Das wäre ja ein Ding! Erinnern wir uns: Vor ziemlich exakt fünf Jahren lieferten sich Suzlon und Areva – der zweite französische Energieriese – einen harten Bieterkampf um Repower. Die Franzosen waren zwar ungleich potenter, aber die Inder boteten sie dennoch aus. Suzlon-Chef Tulsi Tanti gab damals das Ziel aus: Wir gehören bald zu den Top 3 der Windunternehmen.

Und heute: Areva hat sich zwischenzeitlich mit der Übernahme von Multibrid getröstet und baut seine Position im Geschäft mit Offshore-Windenergie sukzessive aus. Suzlon legte anfangs ordentlich zu, baute seine Produktionskapazitäten weltweit aus. Doch bald zeigte sich, dass sich die Inder überhoben hatten. Ein Serienschaden bei Rotorblättern verhagelte das Geschäft in den USA, in China fassten die Inder nie richtig Fuß, ihre riesige Fertigung, nahe Peking, läuft leer. Zumindest im Heimatmarkt ist Suzlon unvermindert stark, viele kleine andere Märkte wurden hartnäckig erschlossen. Aber für die Top 3 im Herstellerranking der Windturbinenbauer hat es bislang nie gereicht. Und: Die teure Repower-Übernahme, weitere Zukäufe und der schnelle Kapazitätsausbau haben Suzlon einen großen Schuldenberg beschert. Durch Teilverkäufe von Unternehmensbestandteilen – zuletzt wurde der Getriebebauer Hansen Transmissions versilbert – ist der zwar abgeschmolzen, aber immer noch erklecklich hoch. Ab Jahresmitte muss Suzlon eine Anleihe über 500 Millionen Dollar zurückzahlen. Da käme ein Mittelzufluss gerade recht. 1,5 Milliarden Euro, so die Financial Times Deutschland, soll Tanti als Preisvorstellung für Repower genannt haben.

Halt, halt: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Tulsi Tanti sein Schmuckstück Repower so einfach wieder hergibt. Repower ist der Glanzpunkt und ein dicker Brocken in Suzlons Bilanz. Immer wieder hat Tanti in den vergangenen Jahren beteuert, dass er die deutsche Firma langfristig halten will. Nicht zuletzt wäre der Verkauf wäre das Eingeständnis, dass seine Vision vom international bedeutenden Player gescheitert ist. Das Bild vom großen Macher Tanti wäre damit ramponiert.

Und Alstom? Wäre der Konzern wirklich ein besserer Partner für die Hamburger? Man sollte nicht vergessen, dass die Franzosen selbst erst vor rund zwei Jahren im Zuge der Wirtschaftskrise gehörig ins Schlingern gerieten. Sie kamen nur durch Massenentlassungen und mit staatlicher Hilfe wieder in die Spur. Eine Windsparte hat der Konzern übrigens auch schon seit Jahren. 2007 kaufte der Industrieriese den kleinen spanischen Hersteller Ecotecnia. Wirklich erfolgreich ist die Sparte bislang nicht.

Es ist auch kein Geheimnis, dass die deutsch-indische Verbindung keine Traumhochzeit war – trotz der hohen Mitgift für die Braut. Immer wieder knirschte es zwischen Hamburg und Pune, mehr als einmal fremdelten die deutschen Ingenieure mit den indischen Kollegen. Aber: Die beiden Partner haben sich inzwischen leidlich arrangiert. Es ist zu früh, die Tischordnung für ein deutsch-französische Heirat zu überlegen.

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