Es war ein Traum, der nicht in Erfüllung ging: Mit Ladesäulen für Elektroautos wollten die Energieversorger einst viel Geld verdienen. Nun fordern die Unternehmen gemeinsam mit der Automobilindustrie 750 Million Euro für den Aufbau von Tausenden öffentlichen Steckern. Ist das sinnvoll?
Vor zwei Jahren erreichte der Hype um die Elektromobilität einen vorläufigen Höhepunkt. Die Energieversorger lieferten sich ein Wettrennen darum, wer denn am meisten Ladesäulen für die zu erwartende Armada an Elektroautos aufstellen würde. RWE kündigte an, allein in Berlin 500 Säulen zu installieren. Aus Unternehmenssicht ein Coup, schließlich konnten die Essener damit im Vattenfallland an jeder Ecke prominent das eigene Firmenlogo platzieren.
Allein, die Rechnung ging nicht auf: die Straßenrandsteckdosen kosten in erster Linie Geld: “Wir hatten vor drei Jahren noch die romantische Vorstellung, dass man innerhalb der nächsten zehn Jahre Ladesäulen aufstellen sollte, um über den Stromverkauf Geld zu verdienen. Das ist aus heutiger Sicht unrealistisch”, räumte RWE-Effizienzchef Ingo Alpheus vor einigen Monaten ein. Selbst wenn einmal eine größere Anzahl von E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein sollte, wird deren Energiebedarf nicht groß genug sein, um Wartung und Unterhalt der bis zu 10 000 Euro teuren Säulen von RWE, Eon und Co. zu refinanzieren.
Nun prescht Eon-Vorstandsmitglied Klaus Dieter Maubach vor und fordert in der FAZ von der Bundesregierung 750 Millionen Euro Fördergeld für den Bau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur. Woher das Geld kommen soll weiß er auch: Aus einer Umlagefinanzierung, ähnlich wie bei den erneuerbaren Energien, aus der KFZ-Steuer oder aus einem Aufschlag auf die Netzentgelte , die die Energieversorger erheben. Im Klartext bedeutet dies, die Öffentlichkeit soll den Energieversorgern eine Infrastruktur finanzieren, über die diese später ihren Strom verkaufen können.
Eine Milliarde bis 2014
Die Bundesregierung hat seit 2011 rund 660 Millionen Euro an Fördergeldern für Elektromobilität an Energieversorger, Automobilindustrie und Forschungsinstitute ausgegeben. Bis 2014 fließt eine weitere Milliarde. Verkehrsexperten sehen dies bereits mit Skepsis „Es ist nicht hinnehmbar, dass die großen Hersteller in Zeiten von Rekordgewinnen noch Subventionen erhalten“, meint etwa Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).
Völlig unklar ist zudem, wieviel öffentliche Ladeinfrastruktur überhaupt gebraucht wird, wenn einmal eine Million Elektroautos und mehr auf deutschen Straßen unterwegs sind. Die Nationale Plattform Elektromobilität geht von einem Gesamtbedarf von 900 000 Ladepunkten aus, der Großteil allerdings nicht im öffentlichen Raum, sondern Zuhause oder am Arbeitsplatz . Anaylsen, etwa der Unternehmensberatung Bain&Company , haben gezeigt, dass nur 15 Prozent aller potentiellen Elektroautofahrer auf öffentliche Ladepunkte angewiesen sind. Die lassen sich aber auch mit vergleichweise wenig Aufwand in Parkhäusern installieren.
Sinnvoller angelegt wäre das Geld sicher im Ausbau der Stromnetze, die mit den wachsenden Anteilen an erneuerbaren Energien in einigen Regionen Deutschlands zunehmend überfordert sind.
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1 Kommentar zu "Steuergeld für die Ladesäulen?":
vielleicht muss aber auch bald gar nicht aufgeladen werden. Falls die Energiezellen kleiner werden, könnte man sich auch ein Tauschsystem der Zellen vorstellen, oder ? Also als wenn man Falschen leer zurückbringt und volle kauft
wenn das der Wagen statt Innen- und Ausslicht mit LEDs austattet und damit noch weniger verbraucht, wäre das eine Lösung OHNE Aufladestationen