Wind im Tank

Grünen Sprit aus der Uckermark gibt es künftig in Berlin zu tanken. Dort wird aus Windstrom Wasserstoff produziert. Mit dem Projekt wollen die Unternehmen einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Ein leichtes Zischen, mehr ist nicht zu hören, wenn der Kraftstoff in den Tank fließt oder vielemehr strömt. Was hier an der Zapfsäule in der Nähe des Berliner Hautbahnhofes durch den Schlauch geht hat seinen Ursprung nicht in den Ölfedern Saudi-Arabiens oder der Nordsee genommen, sondern stammt aus Uckermark, genauer gesagt aus Prenzlau.  Wenn dort die Netze an manchen Tagen den Windstrom nicht mehr aufnehmen können, wird dieser für den Betrieb einer Elektrolyse genutzt – Wasser wird dabei in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten.

Hinter dem Projekt stehen der Windkraftbetreiber Enertrag und das Mineralölunternehmen Total. Beide arbeiten seit längerem beim Thema Wasserstoff zusammen. Im letzten Jahr nahm Enertrag am Standort Prenzlau das sogenannte Hybridkraftwerk in Betrieb. Dort wird der Windstrom in Wasserstoff umgewandelt. Per LKW geht er dann nach Berlin. “Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur Windmühlen aufstellen und Strom produzieren, sondern weiter denken”, betonte Enertrag-Vorstand Werner Diwald.

1000 Tankstellen sind nötig

Die Produktion von Wasserstoff aus Windstrom (Power-to-Gas) soll helfen, die fluktuierende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom  auszugleichen. Total-Deutschland-Geschäftsführer Hans-Christian Gützkow sprach von einem zentralen Beitrag für die Energiewende. Die Bundesregierung sitzt ebenfalls mit im Boot. Sie hat das Hybrid-Kraftwerk in Prenzlau und den Bau von Wasserstoffzapfsäulen mit Millionen gefördert. Nach ihrem Willen soll der Energieverbrauch im Verkehr bis zur Jahrhundertmitte  um 40 Prozent sinken. Ohne alternative Antriebe wie Batterie- oder eben Wasserstofffahrzeuge wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein.

Total setzt daher auf  einen wachsenden Markt für das flüchtige Gas. Als Energielieferant könnte dabei auch die Solarenergie dienen. Im letzten Jahr hat das Total den Solarproduzenten Sunpower gekauft – für mehr als eine Milliarde US-Dollar.

Noch gibt es jedoch keine Wasserstoff-Fahrzeuge zu kaufen. Daimler will ein erstes Modell im Jahr 2015 auf den Markt bringen. Ein weiteres Problem ist die Infrastruktur:  Aktuell existieren nur eine handvoll Wasserstofftankstellen in Deutschland. “Nötig sind aber 1000″, sagt Total-Geschäftsführer Gützkow. Auch müssen bundesweit Elektrolyse-Anlagen entstehen.

9,50 Euro für 100 Kilometer

Enertrag und Total sind dennoch optismistisch. “Wir müssen jetzt am Umstieg arbeiten”, so Werner Diwald. Das Fahren mit Wasserstoff sei bereits heute wirtschaftlich. “Für 9,50 Euro können sie 100 Kilomter fahren.” Ein Grund: Wasserstoff ist steuerfrei. Die gleiche Strecke mit einem Benzinfahrzeug kostet bei einem aktuellen Spritpreis von 1,70 um die 12 Euro plus CO2-Emissionen.

Schlangen sind an den Zapfsäulen trotz des günstigen Angebotes vorerst aber nicht zu erwareten. Auf Berlins Straßen sind aktuell nur 65 Wasserstofffahrzeuge unterwegs.

Ein Trackback

  1. Von Feedcast8 am 24. Juli 2012 um 19:46

    Feedcast8…

    Great blog post, saw on…

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