Diskussion: Bleibt deutsche Solarforschung weltspitze?

Noch gehören deutsche Solarforscher zu den besten weltweit. Doch die Pleitewelle in der Solarindustrie hat Folgen, Aufträge für die Institute bleiben aus. Kann die Solarforschung ihre Spitzenposition halten? Ja, meint Jan Schmidt, Wissenschaftler am Institut für Solarenergieforschung Hameln, nein, glaubt dagegen  Peter Frey, Geschäftsführer des ostdeutschen Firmenclusters Solarvalley Mitteldeutschland.

“Wir glauben deshalb fest an die Zukunft des Industriestandorts”

Jan Schmidt

Jan Schmidt

„Die deutsche Solarforschung bleibt führend. Dass die Photovoltaik weltweit weiter wachsen wird, bestreitet keiner. Daher wollen große Hersteller wie Bosch langfristig auf Sonne setzen. Auch der deutsche Maschinenbau bleibt dank internationaler Aufträge stark. Wir glauben deshalb fest an die Zukunft des Industriestandorts und an weitere Forschungsaufträge. Zumal neue Themen hinzukommen: Neben der reinen Zellenentwicklung rücken Modul und System in den Vordergrund. Zellen- und Modulproduktion laufen künftig nicht mehr getrennt voneinander ab, sondern werden verheiratet – das bringt immense Kostenvorteile. Künftige Solarsysteme produzieren nicht nur Strom, sondern regeln intelligent den Verbrauch und entlasten das Netz. Wir werden viel rechnen und simulieren müssen. Dank der optimalen Forschungsförderung in Deutschland können wir die neuen Themen sehr gut besetzen.“

Jan Schmidt, Leiter der Abteilung Photovoltaik am Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) und Professor für Mathematik und Physik an der Leibniz Universität Hannover.

“Wenn Institute von guten Aufträgen sprechen, ist das nur die Agonie vor dem Sterben.”

Peter Frey

Peter Frey

Wie die deutsche Photovoltaikforschung derzeit aufgestellt ist, hat sie keine Chance. Ihr Dilemma ist, dass sie stark anwendungsorientiert und somit auf Aufträge aus der Industrie angewiesen ist. Zwar hat sie zuletzt wirkliche Fortschritte gemacht und genug Innovationen in der Pipeline. Doch findet sich derzeit kein Hersteller und kein Maschinenbauer, der dafür Geld gibt; Kredite sind momentan schlicht nicht verfügbar. Wenn Institute von guten Aufträgen sprechen, ist das nur die Agonie vor dem Sterben. Kreditbürgschaften für Hersteller in Europa wären ein Rettungsanker. Doch die Chancen dafür sind eher mäßig. Aus meiner Sicht haben Industrie und Forschung in Deutschland nur eine Überlebenschance: Sie müssen sich schnell erweitern und Alleinstellungsmerkmale entwickeln; Lösungen für die Gebäudeintegration oder Netzmanagementsysteme zum Beispiel gehen nicht mit Massenware aus China.

Peter Frey, Geschäftsführer des ostdeutschen Firmenclusters Solarvalley Mitteldeutschland . Er hat zuvor lange Jahre als Dünnschichtforscher gearbeitet.

Mehr zur deutschen Solarforschung lesen Sie in der Juni-Ausgabe der neue energie.

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