Das Sterben deutscher Solarunternehmen geht weiter – Centrotherm ist insolvent

Centrotherm galt als Aushängeschild des deutschen Anlagenbaus für die Solarindustrie. Gestern hat das Unternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz beantragt. Damit hat der Preiskrieg unter den Photovoltaik-Produzenten neben Solon und Q-Cells und Co das erste prominente Opfer im deutschen Maschinenbau gefordert. Ein Industriebereich, der aufgrund seiner Innovationskraft als vermeintlich sicher schien.

Centrotherm Photovoltaics AG ging aus der 1976 gegründeten Centrotherm Elektrische Anlagen GmbH hervor. Anfangs produzierte das Unternehmen von der Ostalb thermische Anlagen für die Halbleiterindustrie. Aber schon in den 90er Jahren schwenkte der Mittelständler zur Photovoltaik, rüstete zur Jahrtausendwende namhafte Produzenten wie Q-Cells und Shell mit kompletten Produktionslinien aus. Schon früh stiegen die Schwaben ins asiatische Geschäft ein und spezialisierten sich auf zwei Geschäftsfelder: Schlüsselfertige Anlagen im Bereich Solarzelle und Modul, sowohl für kristalline als auch Dünnschichttechnologie; im Geschäftsbereich Silizium und Wafer offeriert Centrotherm Dienstleistung und Ausrüstung für die Herstellung von Silizium, Siliziumblöcken und -scheiben an. Das Unternehmen betreibt weltweit 13 Produktionen und Niederlassungen, davon allein fünf in Asien. Noch bis Anfang des Jahres waren 1900 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt, davon allein 600 Wissenschaftler und Ingenieure an den drei Forschungs und Entwicklungsstandorten Blaubeuren, Burghausen in Bayern sowie Konstanz am Bodensee. 2010 verzeichnete das Unternehmen Auftragseingänge von über einer Milliarde Euro. Mit Forschungsausgaben von sieben Prozent des Umsatzes war Centrotherm Branchenprimus: “Im Ofenbau sind wir unangefochten Technologieführer”, sagte Technik-Chef Peter Fath noch vor einem Jahr gegenüber neue energie.

Die Pleite von Centrotherm verdeutlicht, wie heftig es derzeit im Solarsektor zugeht, und dass auch in China keine Investititonen mehr getätigt werden. Dort machte Centrotherm zuletzt 85 Prozent seines Umsatzes. Der konnte aber die Kosten nicht mehr decken, sodass das Unternehmen über 42 Millionen Euro Verlust allein im ersten Quartal schrieb. Die Nachricht von Centrotherms Insolvenz führte dazu, dass auch Aktien anderer Solarunternehmen wie SMA stark einbrachen.

9 Kommentare zu "Das Sterben deutscher Solarunternehmen geht weiter – Centrotherm ist insolvent":

  1. 10150
    Fritz Brause · 13. Juli 2012 - 12:11 Uhr · Permalink

    Ein weiterer Offenbarungseid, der den Unsinn der deutschen Förderpolitik für die Neuen Ineffizienten Technologien (NIE) belegt. Wo sind denn die angeblich hunderttausenden Arbeitsplätze, von denen die Ökofundamentalisten seit Jahren schwadroniert haben? Eine Branche wie die Photovoltaik-Industrie, die in hohem Maße von Subventionen abhängt, hätte erst gar nicht aufgebaut werden dürfen … insofern handelt es sich hier um eine schon lange überfällige Bereinigung!

  2. 10157
    Meike Kögel · 14. Juli 2012 - 13:46 Uhr · Permalink

    Dieser Kommentar ist Unsinn! Wo sind die 100000 Arbeitsplätze? Diese Frage ist doch wohl nicht ernst gemeint? Die Jobs sind Fakt, die PV daher wie andere Ökoenergien auch inzwischen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Von einer unsinnigen Förderung kann also keine Rede sein. Auch nicht, weil dank dieser Förderung saubere Sonnenenergie fast wettbewerbsfähig ist. Ineffizient? Von wegen! Haben Sie sich mal die Lernkurve der PV angeschaut? Geben Sie ihr noch 5 Jahre und sie wird bei weiteren Innovationen mit konventionellen Energieträgern konkurrieren können. Die Politik muss daher alles tun, die Pleitewelle zu stoppen. Das wirkliche Zeitalter der PV steht erst noch bevor.

    • Fritz Brause · 15. Juli 2012 - 10:59 Uhr · Permalink

      Das meinen Sie doch nicht ernst, Meike? Photovoltaik ein positiver Wirtschaftsfaktor? Mitnichten. Allenfalls ein negativer Faktor, denn der Volkswirtschaft wird über die unnötige Überförderung der Photovoltaik und Energiepreissteigerungen unter anderem Kaufkraft entzogen. Ein weiterer Punkt: Allein die Photovoltaik wird den Endverbraucher in den kommenden Jahren schon jetzt deutlich mehr als 110 Mrd. € an Subventionen kosten, in heutigem Geldwert. Dies ist auch der Grund, warum in diesem Zusammenhang gemeinhin auch von “Solarschulden” gesprochen wird. Jungen Menschen werden noch mehr Schulden aufgebürdet. Das ist doch energiepolitischer Wahnsinn. Lesen Sie nur einmal, was Bundesumweltminister gestern von sich gegeben hat: Energie müsse bezahlbar bleiben. Und schauen Sie doch einmal, welche Solar- oder NIE-Firmen in den letzte zwölf Monaten Insolvenz angemeldet haben. Die schon lange Liste wird zusehends länger und länger … die EEG-Förderung nach heutigem Muster gehört eindeutig abgeschafft!

      • Meike Kögel · 15. Juli 2012 - 16:33 Uhr · Permalink

        Ihre volkswirtschaftliche Rechnung geht doch nicht auf, Herr Brause! Sie verneinen völlig alle positiven Effekte, die sich aus einer solaren Umstellung ergeben: Weniger Klimafolgekosten ist hier das entscheidende Stichwort. Subtrahieren Sie von diesen vermiedenen Klimafolgekosten alle weltweiten “Solarschulden” und Sie erhalten dennoch ein dickes volkswirtschaftliches Plus. Deshalb soll die PV heute doch kosten, was sie will – sie wird sich doppelt und dreifach auszahlen. Jetzt kommen Sie mit Schulden, die unsere Kinder tragen müssen. Ich kann einfach nicht verstehen, welcher Logik Sie folgen. Und ich kann auch nicht verstehen, dass Sie die Aussagen der Politik als Maßstab für Ihre Meinung nehmen. Rösler und Co. haben null Plan!

        • Fritz Brause · 15. Juli 2012 - 23:56 Uhr · Permalink

          Aber Sie haben den Durchblick, Meike!? Sie lassen sich leider von ökofundamentalistischem Wunschdenken leiten. Die Photovoltaik wird sich in der Tat auszahlen – für die inzwischen mehr als 1 Million Besitzer von Photovoltaikanlagen, die sich auf Kosten des Großteils der deutschen Bevölkerung an der viel zu üppigen, auf bis zu 21 Jahre garantierten EEG-Einspeisevergütung bereichern … :-(

          Zum Thema Klimafolgekosten: Wissen Sie nicht, dass die Photovoltaikmodule inzwischen zu einem großen Teil in China produziert werden, einem Land, in dem die Stromerzeugung praktisch auf Kohleverstromung basiert? Da der Herstellungsprozess nach wie vor sehr energieintensiv ist, werden beträchtliche Mengen Kohlendioxid und andere Luftschadstoffe in China freigesetzt … in der Größenordnung sind die über den gesamten Lebensweg der Photovoltaikanlage kumulierten spezifischen CO2-Emissionen pro kWh erzeugten Stroms mit denen eines Gaskraftwerks vergleichbar … aber China ist ja so schön weit weg, die Auswirkungen der dort verursachten Umweltauswirkungen betreffen uns ja auch nicht direkt.

          Als ökoideologisch verblendeter Besitzer einer Photovoltaikanlage kann ich wunderbar behaupten, meine Anlage verursache keine Emissionen. Das ist so leider auch aus einem weiteren Grund falsch, denn bei parasitären Systemen wie Photovoltaik- und Windenergieanlagen, die Strom nur zeitweise bedarfsgerecht liefern, sind Reservekraftwerke notwendig, die einspringen, wenn keine Sonne scheint oder kein Wind weht. Und solche Situationen (mehrtägige Großwetterlagen mit Schwachwind) hat es in den letzten Wintern mehrfach gegeben. Eine Alternative wären ausreichend große Energiespeicher, die es aber heute nicht gibt: Wir sprechen über erforderliche Energiespeicherkapazitäten von 10.000 bis 20.000 GWh. Zurzeit haben wir gerade einmal 40 bis 60 GWh, die nach sechs bis acht Stunden aufgebraucht sind und dann erst einmal wieder aufzuladen sind (Pumpspeicherkraftwerke).

          Und beim “ominösen Windgas”, bei dem aus ohnehin schon teurem NIE-Strom erst Wasserstoff und danach synthetisches Methan hergestellt werden soll, das anschließend im Erdgasnetz eingespeist und später wieder in GuD-Kraftwerken zu Strom umgewandelt werden könnte, wären etwa 70 bis 80 % der ursprünglich eingesetzten Energie verloren. Das bedeutet, dass sich der Preis für Strom aus dieser Technologie um den Faktor drei bis fünf erhöhen würde, wenn sie jemals großtechnisch eingesetzt wird. Bei Strom aus Offshore-Windenergieanlagen würde dadurch mindestens von einem Preis für die reine Stromerzeugung von 50 bis 75 Ct/kWh zu sprechen sein, also ohne staatliche Abgaben, Netzgebühren etc.

          Die Ideologie der deutschen Energiepolitik wird ebenfalls deutlich, wenn Sie sich die spezifischen Kosten der CO2-Vermeidung (€ pro Tonne) ansehen, Meile, die bei Photovoltaik deutlich höher als für andere Technologien sind. Träumen Sie aber ruhig weiter … die Bürger werden irgendwann merken, welchen Schildbürgerstreich die Energiepolitik mit hnen gespielt hat, und dann wird die Akzeptanz gegenüber den NIEs schnell verschwinden … wir werden das bald erleben!

    • Ruedi · 15. Juli 2012 - 11:12 Uhr · Permalink

      Natürlich haben Sie recht Herr Kögel. Centrotherm hat auch nie eine Förderung erhalten.
      Immerhin haben wir 130.000 Arbeitsplätze alleine im PV-Bereich u. diese hochgeredeten Konkurse der letzten Zeit betreffen max einige tausend Arbeitsplätze die aber bis heute nicht abgebaut sind.
      Q-Cells arbeitet derzeit im Vierschichtbetrieb an 7 Tagen pro Woche u. bei Centrotherm geht es mit geringerem Personal weiter. Irgendjemand muß ja die Maschinen bauen auf dem die Chinesen ihre Module vollautomatisch fertigen.
      Die EE und insbesondere die PV geht ihren Siegeszug konsequent weiter. Alleine im letzten Jahr wurden dank EE 11 Mrd Euro Brennstoffimporte eingespart u. für 5 Mrd Euro Umweltschäden vermieden.
      Der Zubau von PV wird für dieses Jahr auf ca 5 GWp prognostiziert.

      Politiker die viel heiße Luft von sich geben wie z.B. “Strompreise müssen bezahlbar bleiben” vergessen gerne daß es doch gerade diesselben sind die diese Preise in die Höhe treiben durch Befreiung von Stromtransportkosten u. EEG-Umlage für Großverbraucher. Die Privatleute u. Kleinunternehmen dürfen dann die Großverbraucher subventionieren.
      Man könnte noch viel dazu schreiben aber wer regelmäßig neue energie liest u. sich im Internet informiert weiß das sowieso schon.

      • Fritz Brause · 31. Juli 2012 - 20:04 Uhr · Permalink

        Ach, der Rudi, … auch hier hat er sein Märchen vom eingesparten zweistelligen Milliardenbetrag durch vermiedene Fossilbrennstoffimporte erzählt …

      • Fritz Brause · 31. Juli 2012 - 20:08 Uhr · Permalink

        tatsächlich sind es zurzeit bestenfalls 2 bis 3 Mrd.€ pro Jahr, wie hier bereits an anderer Stelle ausführlich diskutiert. Das hat sogar das Fraunhofer ISE vermeldet, das nicht im Verdacht steht, Fossilbrennstoffe zu begünstigen …

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